Wilhelm Math
Wilhelm Math wuchs im elterlichen, landwirtschaftlichen Anwesen in der Bachstraße auf.
Der künstlerisch Begabte erlernte in der Schnitzerschule Oberammergau die Holzbildhauerei. 1914 kehrte er in seinen Heimatort zurück. Im gleichen Jahr wurde er eingezogen und kam an die Westfront. 1918 geriet er in französische Kriegsgefangenschaft aus der er 1919 entkommen konnte. Heimgekehrt nach abenteuerlicher Flucht eröffnete Math Werkstatt und Geschäft in der Walserstraße.
Für den Festumzug zum Trachtenfest 1926 fertigte Math die detaillierten Entwürfe auf einer mehr als 20 m langen Papierrolle. Die Besonderheit war, dass auf den Festwagen altes bäuerliches Leben dargestellt wurde, in überlieferten Gewändern.
Dabei kam der Gedanke auf, alte Gegenstände zu sammeln, um sie der Nachwelt in einem Heimatmuseum zu erhalten. Heimatfreund Wilhelm Math ergriff zusammen mit Josef Joas, Karl Hofmann und Thaddäus Jäger die Initiative.
Mit der Verwirklichung des Museums 1932 war Math ehrenamtlich als Museumspfleger tätig.
Der zweite Weltkrieg griff auch in das Leben von Wilhelm Math ein, er wurde eingezogen.
1945 geriet er in russische Gefangenschaft. Hier kam er nach hartem Arbeitseinsatz schließlich in eine Schreinerei, wo er selbst mit primitiven Werkzeugen kunstgewerbliche Gegenstände und auch Büsten von Persönlichkeiten schuf. Auf diese Weise erhielt er für sich und seine Kameraden ein Zubrot, das ihnen ein Überleben ermöglichte.
1948 kehrte Math aus der Gefangenschaft zurück und widmete sich wieder seinem Beruf und der Vergangenheit seiner Heimat.
Wilhelm Math erforschte die Geschichte und Herkunft alter Oberstdorfer Geschlechter. Es entstand eine nahezu lückenlose Chronik aller alteingesessenen Familien Oberstdorfs. Mit zierlicher Handschrift in Druckbuchstaben brachte er seine Ergebnisse zu Papier und band die Bücher kunstvoll selbst in Leder.
Was er als „Herrgottsschnitzer" geleistet hat, sieht man an seinen vielen Arbeiten in und um Oberstdorf, vom großen Wegkreuz, das im Oytal aufgestellt ist, bis zum Kreuz im alten Friedhof zwischen Pfarrkirche und Johannisheim, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und auch hier im Waldfriedhof: das große Kreuz am Eingang - auf dem Weg zur Aussegnungshalle - ist ebenso ein Werk von Wilhelm Math wie viele kleinere und größere Grabkreuze auf diesem Friedhof.
Bürgermedaille des Marktes Oberstdorf
In Würdigung seiner besonderen Verdienste, die er sich als Chronist und Künstler um seine Heimat erwarb, wird Herrn Wilhelm Math die Bürgermedaille des Marktes Oberstdorf verliehen. Oberstdorf, 27.05.1971, Dr. Dreher, 1. Bürgermeister
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