Hugo Tauscher
* 28 Jan 1914, Oberstdorf
† 20 Dec 2008, Oberstdorf
In Oberstdorf geboren, besuchte Hugo J. Tauscher hier die Realschule mit Abschluss der mittleren Reife. Er absolvierte in Oberstdorf auch einen Teil seiner Drogistenausbildung.
1935 gin Hugo J. Tauscher zur Wehrmacht - er wollte Flieger werden – und war im Krieg Mechaniker bei der Luftwaffe. Im Winter 1941/1942 war er als Skilehrer in der Ramsau für die Luftwaffe tätig. Wegen einer schweren Erkrankung (Kinderlähmung) wurde er 1942 aus der Wehrmacht entlassen und hielt sich mehrere Monate in Lazaretten auf.
1942 kam Hugo J. Tauscher zurück nach Oberstdorf und heiratete. Seine Frau Dr. med. Eva Tauscher ließ sich 1943 als praktische Ärztin hier nieder (bis 1958).
Hugo J. Tauscher famulierte 1943 im Oberstdorfer Krankenhaus und leistete dort – da es dort keine Ärzte gab - ärztliche Hilfsdienste. In der Praxis seiner Frau war er im Labor tätig und erledigte die kaufmännischen Arbeiten. 1958 erbaute das Ehepaar Tauscher das Haus in der Maximilianstraße. Frau Tauscher verstarb 1996.
Ab 1945 entdeckte Hugo Tauscher seine zeichnerische und malerische Begabung und betätigte sich autodidaktisch als Zeichner und Maler.
Ab 1950 begann er systematisch seine – heute sehr bedeutende – Sammlung aufzubauen.
Erfolgreiche Ausstellungen eigener Werke in Oberstdorf, Immenstadt, Kempten, Prien, Stuttgart und München folgten ebenso wie Austellungen eigener und gesammelter Werke, darunter in der Villa Jauss in Oberstdorf.
1998 schenkte Hugo J. Tauscher seine Sammlung, deren Wert mehrere hundertausend Euro beträgt, der Initiative Villa Jauss e.V.. Er machte sich dadurch, und mit einer Geldspende von 20.000 Euro für den Einbau einer Alarmanlage in die Villa Jauss um die Gemeinde sehr verdent.
Gertrud-von-le-Fort-Medaille des Marktes Oberstdorf
Hugo Tauscher, der sich um Oberstdorf durch seine kulturellen Aktivitäten und seine sehr großzügigen Spenden für die Villa Jauss überaus verdient gemacht hat, erlebte Dank und Anerkennung des Marktes Oberstdorf durch die Verleihung der Gertrud-von-le-Fort-Medaille.
Oberstdorf, 28.01.2005, Thomas Müller, Erster Bürgermeister
Grafik-Sammlung Hugo J. Tauscher
Die Villa Jauss verfügt über eine wunderbare Sammlung von Grafiken des 20. Jahrhunderts, gestiftet vom Oberstdorfer Hugo J. Tauscher. Diese Sammlung ist nicht als ständige Ausstellung zu sehen, sondern ausgewählte Werke der Stiftung ergänzen immer wieder die Ausstellungen oder werden mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten präsentiert – u. a. 2018 die Ausstellung ‚Zeitgenössische Kunst im Dialog‘ mit Künstlern des BBK-Schwaben-Süd, bei der auch zum ersten Mal der Kunstpreis Villa Jauss vergeben wurde.
Oder die ‚Sammlung Tauscher auf Reisen‘: 2017 EL GUERNICA – Macht eines Bildes von Pablo Picasso, Studien zu Guernica in der Kunsthalle Kempten.
2019 ausgewählte Original-Radierungen und Litzographien von Günter Grass in der Galerei Art Sommerlicht von Lucie Sommer-Leix in Sonthofen.
Im Sommer 2020 ‚Mit Blick auf den Menschen‘ – Peter Zeiler & die Stiftung Hugo J. Tauscher in der Villa Jauss (als Online-Ausstellung im Archiv).
In der Beuys-Ausstellung 2022 und 2023 wieder auf Reisen: Frauen, Männer und noch mehr.
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Eine großzügige Stiftung macht es inzwischen möglich, dass immer wieder ein Überblick der Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts mit Zeichnungen, Radierungen und Lithographien zu bewundern ist. Die Zeichnungen und Grafiken des Oberstdorfer Sammlers Hugo J. Tauscher sind verborgene Schätze, die hier gehoben werden – und der Markt Oberstdorf darf sich glücklich schätzen, dass sie in Form einer Stiftung an den Berein Initiative Villa Jauss e.V.
Regelmäßig zugänglich gemacht werden. Es ist sehr zu wünschen und zu hoffen, dass dies als Signal und als Verpflichtung verstanden wird, dass Kunst und Sport gleichermaßen zu kulturellen Identität eines Landes und eines Ortes gehören. – Prof. Karl Ruhrberg.
Quelle: Homepage Initiative Villa Jaus e.V.
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Allgäuer Anzeigeblatt 28.01.09
Wer den ersten Stock des Kunsthauses Villa Jauss in Oberstdorf besucht, der kommt aus dem Staunen kaum heraus: Wunderbare Werke von Salvador Dalí oder Marc Chagall fesseln den Blick, berührende Blätter von Käthe Kollwitz oder Horst Janssen bewegen das Gemüt, anklagende Arbeiten von Pablo Picasso oder A. Paul Webber rütteln zur Empörung auf
"Eine kleine Kunstgeschichte des 20. bis 21. Jahrhunderts" ist hier versammelt, wie Professor Karl Ruhrberg, ein Experte für die Kunst dieser Epoche, festgestellt hat. Und all das ist einem Mann zu verdanken: Hugo J. Tauscher. Gestützt auf einen Stock konnte man den betagten Herrn noch vor geraumer Zeit hin und wieder zwischen den Kunstschätzen wandeln sehen. Unbemerkt von vielen, unauffällig sich unter die Besucher mischend. Heute wäre er 95 Jahre alt geworden. Am 20. Dezember vergangenen Jahres ist er in Oberstdorf verstorben.
1998 stiftete er einen Großteil seiner Sammlung der Oberstdorfer "Initiative Villa Jauss", gewährte 2004 zudem dem Verein einen großzügigen Zuschuss für die dringend benötigte Alarmanlage und ergänzte bis zu seinem Tode seine Stiftung durch weitere bedeutende Arbeiten.
"Hugo J. Tauscher ist einer von denen, die auf eindrucksvolle Weise demonstrieren, dass kein enormes Vermögen nötig ist, um eine vorzügliche Kollektion von hohem Anspruch zusammenzutragen, sondern nur Begeisterung, ein gutes Auge, Sensibilität und eine entsprechende Kenntnis der Kunst unserer Zeit." Mit diesen Worten würdigte der Wahl-Oberstdorfer Karl Ruhrberg, ehemaliger Leiter des Museums Ludwig in Köln, Hugo J. Tauscher anlässlich einer Ausstellungseröffnung mit Exponaten seiner Sammlung im Jahre 2004 in der Villa Jauss. Damals zeigte Tauscher auch eigene Arbeiten.
Bereits in den 70er Jahren hatte der gelernte Drogist mit einer intensiven bildnerischen Tätigkeit begonnen. Ende dieses Jahrzehnts wendete er sich von der realistischen Zeichnung ab und der abstrakten Malerei zu. Einige seiner "imaginären Landschaften", deren Formen und Strukturen der Fantasie und dem Unterbewussten entsprangen und die dem Betrachter viel Spielraum zu eigenen Gedanken ließen, zeigte er noch im Sommer vergangenen Jahres in den Tee-Stuben auf dem Gailenberg bei Bad Hindelang.
Der Künstler Hugo J. Tauscher hat seine Arbeiten aber nicht nur im Allgäu, sondern auch in München und Stuttgart gezeigt.
Dass seine Grafiksammlung nicht in solche Metropolen abwanderte, sondern im Kunsthaus Villa Jauss der Öffentlichkeit auf Dauer zugänglich gemacht wurde, darf als Glücksfall für Oberstdorf bezeichnet werden.
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf