Eberhard Doser

Oberstdorf im Welttheater 1996 bis 2018
Oberstdorf im Welttheater 1996 bis 2018
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf

* 24 Apr 1926, Oberstdorf
† 13 May 2018, Castres (Frankreich)

Deutscher Maler und Grafiker.
Eberhard Doser wuchs in Mannheim auf. Nach seinem Kriegseinsatz als Soldat in Italien und nach der Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft 1945 ging er zielstrebig seiner Berufung als Künstler nach.

1926 geboren im Bergdorf Gerstruben bei Oberstdorf, aufgewachsen in Mannheim
1946–1955 Studium der Bildenden Kunst in Bad Reichenhall, München, Mannheim und Salzburg bei Pilsch, Rabenbauer, Berger-Bergner, Trummer, Palitsch und Kokoschka
1954-1956 erste Ausstellungen in Mannheim und Heidelberg
1956-1972 lebte Eberhard Doser als freischaffender Maler in Paris
1957-1972 Beginn der „Akustischen Malerei“, der Realisierungsynästhetischer Absichten, indem der Künstler eine Skala für Farbtöne mit einer gleichlaufenden für Töne der Musik zu entwickeln begann. Parallel dazu lebenslang plastische Objekte, vorwiegend aus Sperrholz, Zement und Materialkombinationen.
1963 Heirat mit seiner Frau Elisabeth
1964 Geburt des ersten Sohnes Friederic
1968 Ausstellung im Rathaus des 1. Arrondissements von Paris
1969 Ausstellung im Centre Culturelle in Brüssel
1970 Beteiligung beim Festival Montparnasse, Paris

1972 Umzug ins südfranzösische Bergdorf Fraysse/Viane (Tarn). Einrichtung des Maison Atelier mit Ausstellungen verschiedener Künstler, Kunstaktionen in der Umgebung sowie Gründung der Kunstschule Le Regard.

1972 Geburt des zweiten Sohnes Emmanuel

1996 Beginn des Gemäldes Oberstdorf im Welttheater als „Gesang aus den Bergen“ im Kunsthaus Villa Jauss, Oberstdorf.
Mit dem Titel „Gesang aus den Bergen“ – nach einer Gedichtsammlung von Gertrud von le Fort – wollte Eberhard Doser anlässlich einer Retrospektive seiner Werke im Kunsthaus Villa Jauss in Oberstdorf einen Beitrag für den Aufschwung dieses kulturellen Treffpunktes leisten. Das 4,30 x 1,60 m große Werk in Acryl auf Leinwand enthält viele gegenwärtige und historische Ereignisse seines Geburtsortes Oberstdorf. Immer mehr Figuren wurden ineinander verwoben und aufeinander bezogen. Die Sagen und Mythen, das Volks- und Brauchtum auf der linken Tafel, Oberstdorf und seine religiösen Quellen auf der rechten Bildtafel und die Gegenwartskultur samt Tourismus und Sport in der Mitte. Doser sieht die Geschichte Oberstdorfs als Mikrokosmos im Verlauf eines spirituell-geistigen Weltenplans.
Eberhard Doser arbeitete an diesem Alterswerk insgesamt 22 Jahre lang bis zu seinem Tod 2018. So wie sich die Welt ständig verändert, änderte und ergänzte der Maler fast täglich sein Werk.

2014/15 fasste sein Sohn Friederic die vielen Wandlungen des Bildes über die Jahre hinweg in einem großen Bildband zusammen. Das Alterswerk erhielt jetzt einen neuen Titel: „Eberhard Dosers Durchgang durch das Universum“.

2016 Beginn des Bildes Gesang aus den Bergen zur Ausstellung anlässlich des 140. Geburtstages von Gertrud von le Fort.
Als Hommage an die große deutsche Dichterin Gertrud von le Fort und an seinen Geburtsort Oberstdorf führte der Künstler im Frühjahr 2016 die Thematik des großen Tafelbildes weiter – wiederum mit dem Titel „Gesang aus den Bergen“ und den Maßen 1,70 × 1,60 m. Die Geschichte Oberstdorfs nimmt einen großen Platz ein mit Gerstruben, den Loretto-Kapellen (Palmesel-Christus) und dem großen Brand, den Bürgermeistern Geyer, Müller und Mies samt dem „wandelnden Lexikon“ Eugen Thomma. Porträts der Kulturträger G. von le Fort, A. M. Miller, J. B. Schraudolph und J. A. Fischer erscheinen ebenso wie der kulturelle Aufschwung der Villa Jauss seit 1996. Details dieses Bildes waren zum 140. Geburtstag von Gertrud von le Fort im Dachgeschoss des Kunsthauses Villa Jauss als Fotorepliken auf Leinwand zu sehen.

13.05.2018 verstorben in Castres (Departement Tarn).

Eberhard Doser
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf
Eberhard Doser
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf
Eberhard Doser
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf

Das Familienbild (1971) von Eberhard Doser

Dieses Bild gibt Einblick in die wichtigsten Stationen eines Malers, der am 24. April 1926 im Bergdorf Gerstruben bei Oberstdorf geboren wurde. Himmlische Boten überbringen diese Botschaft der Geburt eines Knaben (1), der selbstbewusst mit der Erdkugel dem Betrachter entgegenblickt. Engelsgleich schwebt der jüngere Sohn Emmanuel (2) über dem Dorf Fraysse (3), geboren 1973, am Südrand des Massif Central auf 800 m Höhe in Südfrankreich.

Dorthin musste die Familie umziehen. Die Welt- und Künstlerstadt Paris wurde nach 16 Jahren zu teuer. Der ältere Sohn Friederic wurde hier 1964 (4) geboren. Notre Dame (5) steht für diese Zeit mit den beiden Haupttürmen, der großen Fensterrose und dem gotischen Eingangsportal. Daneben die bescheidene Wohnung im obersten Stock in der Rue St. Jacques. Die junge Ehefrau Elisabeth (7) - ebenfalls wie der Künstler in Mannheim aufgewachsen - folgte ihm nach Paris. Der zentrale Saxophonspieler stellt den älteren Sohn Friederic (8) dar, während der jüngere Emmanuel (9) sich mehr mit der Malerei beschäftigt.

Auf der rechten Seite des Bildes portraitiert sich der Maler selbst (10) in schon etwas gesetzterem Alter mit Zigarette und weißem Bart. Seine rechte Hand mit dem Pinsel führt den Blick des Betrachters auf einen transportablen hölzernen Malkasten mit einer kleinen Leinwand (11). An einem Piano sitzend stellt sich Eberhard Doser nochmals in jüngeren Jahren dar (12). Denn in Paris traf er einen blinden Drehorgelspieler (13), der ihn zu seiner „akustischen Malerei“ inspirierte. Farbtöne seiner Gemälde übertrug er auf die Walzen eines mechanischen Klaviers, welche dann das Bild in Töne umsetzten. Viele Jahre beschäftigte er sich mit diesen Übertragungen, hatte aber damit keinen großen Erfolg.

Am oberen Bildrand sind die früheren Lebensstationen Mannheim, München und Salzburg angedeutet. Der Wasserturm (14) erinnert an die gemeinsame Jugendzeit des Ehepaares in Mannheim, die Türme der Frauenkirche Münchens (15) und ein Salzburger Kirchturm (16) weisen auf seine Studienzeit in diesen beiden Städten zwischen 1945 und 1955 hin. In Salzburg besuchte Eberhard Doser Kokoschkas Schule des Sehens, was ihn sehr beeinflusst hat.

Presseerzeugnisse (17) deuten an, dass sich der Künstler sowohl mit den regionalen als auch überregionalen politischen Ereignissen sehr beschäftigte.

Sein Geburtsort Oberstdorf wurde dann ab 1996 über 20 Jahre lang das Hauptmotiv in seinem malerischen Alterswerk „Oberstdorf im Welttheater“.

Das Familienbild von Eberhard Doser
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf

Oberstdorf im Welttheater 1996 bis 2018 von Eberhard Doser

Während des über 20 Jahre dauernden Malprozesses fotografierte der ältere Sohn Friederic Doser einzelne Zusatzstadien. Der Künstler veränderte ständig sein Alterswerk, für das er eine innere Mission empfang. Mit Verweisen auf Religion, Familie und Kultur versuchte er bildhafte Anstöße zu einer Aussöhnung des Menschen mit der Schöpfung zu geben.

Das entstandene große Buch kann in der Oberstdorf Bibliothek eingesehen werden.
Ort: Gertrud von Le Fort Gymnasium, Rubinger Str. 8, 87561 Oberstdorf
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 14:00 bis 19:00 Uhr

Die Rückkehr nach Oberstdorf

Eberhard Doser zeigte 1986 zu seinem 60. Geburtstag auf Einladung der Kulturgemeinde Oberstdorf eine Auswahl seiner Bilder im Foyer des Oberstdorfhauses.

1996, 1998, 2001 und 2016 waren weitere Arbeiten von ihm in Oberstdorf zu sehen.

Zum 70. Geburtstag 1996 begann der Künstler im Dachgeschoss der Villa Jauss sein großes Alterswerk „Gesang aus den Bergen“ (1,60 m x 4,30 m).  Er arbeitete über 20 Jahre an diesem Bild - bis zu seinem Tod 2018. In dieser Zeit erfuhr es viele Veränderungen und erhielt 2001 bei einer Vorstellung im Oberstdorfhaus den Titel „Oberstdorf im Welttheater“. Mit dieser Anspielung an das Mysterienspiel (1655) von Petro Calderon de la Barca überträgt Doser seinen Geburtsort Oberstdorf in eine geistig-religiöse Weltsicht, in der die Menschen zwar handeln, die endgültige Erlösung aber nur von Gott kommen kann.

Der Regenbogen (1) oben in der Bildmitte symbolisiert für den Künstler diese Hoffnung, die in früheren Phasen des Bildes mit dem Pantokrator (Weltenrichter) aus der evangelischen Christuskirche zu Oberstdorf verbunden war.

Im Zentrum des Werkes befinden sich die katholischen Kirchen von Oberstdorf (2) und Fraysse (3) Departement Tarn, seinem Lebensmittelpunkt ab 1972.

Darüber befindet sich das Oberstdorfhaus (4), in dem der Künstler 1996 auch den Oberstdorfer Musiksommer erlebte.

Auffallend neben den Kirchen ist das Portrait eines Mohren als Hinweis auf das Hotel Mohren am Marktplatz (5), das dem Maler mehrmals als Unterkunft diente.

Bei den späteren Besuchen seines Geburtsortes wuchs dem Maler vor allem auch der Ausstellungsort Villa Jauss (6) ans Herz, wo 1996 die große Retrospektive veranstaltet wurde. Er hatte die Idee mitgebracht, als Hommage an die christliche Dichterin Gertrud von le Fort (7) ein großes Bild zu beginnen. Le Fort wohnte 30 Jahre ihres Lebens in Oberstdorf und widmete das lange Gedicht „Gesang aus den Bergen“ ihrem geliebten letzten Wohnort. Auch das Gymnasium Oberstdorf trägt ihren Namen.

Das kulturelle Umfeld Oberstdorfs geriet immer mehr ins Visier des Malers. Die Initiatoren des Oberstdorfer Musiksommers Ulrike Loesch und Peter Buck spielten für das „Strich- und Streicherwerk“ des Malers bei der Vernissage auf ihren Cellos (8). Klassische Musik, Volksmusik, Blasmusiker (9) und viele andere Gruppen fanden Eingang ins Gemälde und verschwanden oft wieder. Pfarrer, Dichter, Maler (Goya) (10) und Bildhauer erlitten im Laufe der Jahre dasselbe Schicksal. Der evangelische Pastor Martin Niemöller, dem er in den 60er Jahren begegnete, erscheint erst sehr spät im Bild (11). Auch Gemälde, Votivtafeln und religiöse Figuren wie der Palmesel (12) aus der Josefkapelle in Loretto (13) mussten ihre Position im Bild wechseln. So erging es auch den Honoratioren des Ortes, z.B. Altbürgermeister Eduard Geyer mit Frau (14) oder dem 3. Bürgermeister Albert Vogler mit Frau (15), mit denen der Künstler engen brieflichen Kontakt pflegte.

Die Familie Doser

Eberhard Doser musste nach 16 Jahren seinen geliebten Wohnort Paris aus finanziellen Gründen verlassen. Er fand am Südrand des Massif Central im Bergdorf Fraysse nahe Viane (Tarn) auf 800 m Höhe den richtigen Ort für die 2. Hälfte seines Lebens. Es gab dort nur noch wenige Einwohner, aber die Familie Doser belebte mit fünf Personen samt einem Künstleratelier das Dorf.

Nachdem der Maler sich in seinem Bild früher als „Gerstrubener“ portraitiert hatte, ist er später in seinem Gemälde nur noch schwach zu erkennen (19). Deutlicher sind im Bild seine Frau Elisabeth (20) und sein Sohn Friederic (21) in der rechten oberen Ecke zu sehen.

Die Mitte des rechten Bildraumes nehmen sein Sohn Emmanuel (mit Brille) (22) und dessen Frau Maritxu ein. Darunter erkennt man deren Kinder Mathieu und Manon (23). Diese Familie lebt schon lange im französischen Baskenland nahe der spanischen Grenze, der Heimat von Maritxu.

Das Paar rechts unten im Bild (24) ist unbekannt, ebenso die Gesichter (25) über Emmanuel und Maritxu. Rätselhaft, aber scheinbar wichtig mit dem direkten Blick zum Betrachter der große Kopf (26) links von Gertrud von le Fort. Die weibliche Aktfigur bezieht sich auf eine brasilianische Eingeborene (27) aus einem Buch des Pfarrers Franz Neumeier (Oberstdorf), zu dem er einen guten Kontakt hatte. Für den Künstler symbolisiert sie die Mutter Erde. Das tanzende Mädchen (28) könnte einer Happening-Aktion in Paris oder im Künstlerdorf Fraysse entnommen sein.

Die apokalyptische Sichtweise Eberhard Dosers

Die Blätter zur Heimatkunde „Unser Oberstdorf“ des Verschönerungsvereines waren dem Maler ein großartiger Fundus, um viele historische und gegenwärtige Ereignisse ins Bild zu bringen. Doch Vieles ist wieder abgekratzt, übermalt oder verworfen worden, z. B. sportliche Ereignisse. Sie haben sich oft nicht mehr in den Gesamtkosmos des alternden Künstlers einbauen lassen. Die stark konservative, antitechnische Zeitkritik des Kunsthistorikers Franzsepp Würtenberger (16) aus Karlsruhe bestimmte immer mehr sein Denken.

Im linken Bildteil erscheint die Silhouette dieses Weltethikers aus Stuttgart, in die sein Schüler Günther Diehl (17) als Calderonfigur eingeschrieben ist, da von ihm der Titel „Oberstdorf im Welttheater“ stammt. Die vorher das Bild beherrschenden historischen Themen Oberstdorfs entfernte der Künstler Stück für Stück zu Gunsten eines religiös geprägten Welttheaters im Sinne Calderons. Die zunehmende Technisierung der Welt ergibt für Doser eine fatale apokalyptische Sichtweise. Der wachsende Geschwindigkeitsrausch (18) durch Auto, Eisenbahn und Raketen führt zu einer immer stärkeren Zerstörung der Schöpfung.

Quellen

Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Doser

Wikiwand:
https://www.wikiwand.com/de/Eberhard_Doser

Verschönerungsverein Oberstdorf:
https://www.verschoenerungsverein-oberstdorf.de/unser-oberstdorf/heft-69/eberhard-doser-zum-90-geburtstag-gerstruben-geborenen-malers.html
https://www.verschoenerungsverein-oberstdorf.de/unser-oberstdorf/heft-51/oberstdorf-welttheater-ein-werk-malers-eberhard-doser.html

Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=NU5IXGblBgk

Heimatmuseum-Oberstdorf:
https://www.heimatmuseum-oberstdorf.de/aktuelles-lesen/vortrag-ueber-den-maler-eberhard-doser.html

Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf

Oberstdorf im Welttheater 1996 bis 2018
Oberstdorf im Welttheater 1996 bis 2018
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf
Skizze um 2000 | Oberstdorf im Welttheater
Skizze um 2000 | Oberstdorf im Welttheater
Quelle: Gemeindearchiv Markt Oberstdorf