Anton Berktold
Anton Berktold wuchs mit einem Bruder in der elterlichen Landwirtschaft auf. 1914 verlor er den Vater und musste schon früh mit seiner Mutter die Landwirtschaft umtreiben. Zum Ende des ersten Weltkriegs erreichte Anton noch der Gestellungsbefehl.
Nach dem Krieg erlernte er das Küferhandwerk. 1925 heiratete der Maria Weitnauer, Landwirts- und Bergführertochter. Das Ehepaar hatte drei Kinder.
1927 trat Anton Berktold als Gehilfe des Holzwarts in die Gemeinde ein. Als der Holzwart 1933 in den Ruhestand ging, übernahm Berktold die Nachfolge. Er verfügte über hervorragende Kenntnisse des Forstwesens und auch seine Ortskenntnisse waren enorm. Berktold war ein gefragter Ratgeber rund um den Bergwald.
Während des zweiten Weltkriegs war Berktold verantwortlich für die vorgeschriebenen Holzablieferungen, die Vorgaben mussten erfüllt werden, auch ohne die Waldarbeiter, die eingezogen waren. Zudem war die Versorgung der Bevölkerung inklusive der vielen Geflüchteten mit Feuerholz zu bewerkstelligen.
Nach dem Krieg wurde die in den 30er Jahren angeordnete Auflösung der Ortsgemeinden und die Angliederung der Liegenschaften und des Besitzes an die politischen Gemeinden annulliert. Die Aufgabe, das Vermögen der politischen Gemeinde und der Ortsgemeinde wieder zu trennen, übernahm Anton Berktold. Er war mit den Grundstücksdetails wie mit den Rechten und Pflichten bestens vertraut. Berktold kannte die Grenzsteine, Abmarkungen, Grenzverläufe, Besitzverhältnisse und Flurnamen ebenso wie alte Geh- und Fahrtrechte und die Rechte der Alpgenossenschaft. In jahrelanger Arbeit, nach unzähligen Besprechungen und Verhandlungen erstellte Berktold den Teilungsvertrag, der 1951 unterzeichnet wurde.
1953 standen das Gerstrubener Tal, das Traufbachtal und weitere umfangreiche Grundflächen aus dem von Heylschen Besitz zum Verkauf.
Auf Gerstruben befanden sich ab der Mitte des 15. Jahrhunderts eingewanderte Walser-Familien, deren Nachkommen bis zum Verkauf von Gerstruben im Jahr 1892 dort wohnten.
1600 kam mit Martin Berchtold (Walser Schreibweise) der Stammvater des Geschlechts Berktold nach Gerstruben.
1892 verkauften die Gerstruber ihre acht noch bestehenden Anwesen an drei Bürger von Kempten, welche zur elektrischen Stromerzeugung das Gefälle des Dietersbaches im Hölltobel nutzen wollten. Nachdem dieses Vorhaben sich nicht verwirklichen ließ, verkauften sie das erworbene Gebiet an den Freiherrn von Heyl aus Worms. Der Freiherr erwarb noch beträchtlichen Alpbesitz von Oberstdorfer Bauern hinzu, so dass er um 1920 ein Eigen-Jagdrevier von ca. 2600 ha besaß.
Die Erbin des von Heylschen Besitzes, Freifrau Annuelie von Heyl zu Hernsheim, verkaufte 1953 ihren ganzen, in der Gemarkung Oberstdorf liegenden Grundbesitz an den neu gegründeten Verein der ehemaligen Rechtler der Ortsgemeinde Oberstdorf. Anton Berktold war an den Kaufverhandlungen beteiligt. Er beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte der kleinen Siedlung, die seine eigene Geschichte war.
Anton Berktold engagierte sich als Marktgemeinderat, Vorstand der Rechtler Oberstdorfs, im Alpwirtschaftlichen Verein, als Alpmeister, im Museumsausschuss und als Bergbauer für seine Heimat.
Einen Teil seines umfangreichen Wissens hat Anton Berktold in den Büchern „Geschichte des Marktes Oberstdorf“, „Alt-Oberstdorf“, „Gerstruben“ und in einer Reihe von heimatgeschichtlichen Aufsätzen niedergeschrieben.
Für sein Lebenswerk wurde Anton Berktold vielfältig ausgezeichnet.
Bundesverdienstkreuz am Bande
1970, Bundespräsident Heinemann, überreicht von Landrat Theo Rössert
Bayerische Verdienstmedaille
Überreicht durch Ministerpräsident Alfons Goppel
Bürgermedaille des Marktes Oberstdorf
In Würdigung seiner Verdienste um das Wohl des Marktes Oberstdorf wird Herrn Anton Berktold die Bürgermedaille des Marktes Oberstdorf verliehen. Oberstdorf, 19.02.1970,
Dr. Dreher, 1. Bürgermeister
Ehrenbürger des Marktes Oberstdorf
Gemäß Beschluss des Marktgemeinderats Oberstdorf wird Herr Anton Berktold zum Ehrenbürger von Oberstdorf ernannt. Die Ernennung erfolgt in besonderer Würdigung und Anerkennung seiner langjährigen, vielseitigen und selbstlosen Tätigkeit zum Wohl des Marktes Oberstdorf, ganz besonders für seine Verdienste um die Erhaltung von Gerstruben. 1977, E. Geyer, 1. Bürgermeister
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