Die Judenkirche bei Tiefenbach und der Graf-Vojkffy-Weg

Judenkirche am Ochenberg
Judenkirche am Ochenberg
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Dieses einzigartige Naturdenkmal, ein - natürliches Felstor - liegt auf 1060 m Höhe am Ochsenberg oberhalb des Sanatoriums Wasach an der nordwestlichen Grenze Oberstdorfs zur Fischinger Flur.

Nur selten verirrt sich dorthin ein Wanderer, obwohl sich der Ausflug sicher lohnt. Das imposante Felstor besitzt eine Breite von ca. 15 Metern, eine Höhe von ca. 5 Metern und eine Dicke von 1 bis 2 Metern. Der Durchblick durch das Tor bietet heute wieder einen hervorragenden Blick auf Oberstdorf und seine Berge. Schon 1832 findet sie Erwähnung in Cammerers Sammlung bayrischer Naturwunder. Im Juni 2007 hat der Umweltausschuss des Landkreises die Felsformation als Naturdenkmal ausgewiesen und 2008 wurden die Bäume gefällt, die den Blick hinaus auf Oberstdorf  und seine Berge verstellten!

Geologische Erklärung:

An dieser Stelle hat sich der Schrattenkalk aus der ursprünglich horizontalen Schichtung hochgewölbt. Auf der talseitigen Flanke bildeten sich hierbei Risse und auch die innere Schicht des Gesteines wurde durch den immensen Druck gelockert. Die nicht mehr eingebundenen Gesteinstrümmer der Talseite fielen heraus und es entstand ein natürliches Felstor, da oben ein Felsbalken erhalten blieb. Langsam rutschte auch das hinter der Öffnung liegende Gestein nach, wodurch sich ein Hohlraum hinter der Gesteinsbrücke bildet, der wie ein chorartiger Raum wirkt und durch den der Weg hindurchführt.

Erklärung des Namens:

Laut Schwendinger soll deshalb das Naturwunder ursprünglich im Volksmund eigentlich „in der Kirche" geheißen haben und erst durch ungenaue Aufschreibung später der Name „Judenkirche" daraus entstanden sein. Er vermutet das, weil es in Oberstdorf früher bis auf eine Ausnahme keine Juden gegeben hätte. Ich persönlich finde den Namen "Judenkirche" eigentlich schon schlüssig. Da das Aussehen wirklich stark an eine Kirche erinnert - vielleicht wurde der Ort von unseren vorchristlichen Vorfahren auch dementsprechend genutzt - muss er, da nicht christlich, antichristlich sein. Was liegt da näher, als eine "Judenkirche" daraus zu machen. Um sich ein Bild von der abstrusen Vorstellung, den sich unsere Vorfahren noch vor etwa hundert Jahren vom "Juden" machten, sei nur auf die von Reiser in Oberstdorf aufgezeichnete Sage vom "Ewigen Jud" hingewiesen.

Wandervorschlag:

Graf-Vojkffy-Weg beginnt bei der Tiefenbacher Pfarrkirche und führt zuerst zu den südlichen Felsabstürzen am Ochsenberg, dem sog. Jehlefelsen. Dort hat der aus Kroatien stammende Graf Vojkffy in den Jahren von 1934 bis 38 Steinwerkzeuge aus der Mittleren Steinzeit ausgegraben. Weiter ansteigend führt der Weg oberhalb des Sanatoriums Wasach vorbei zu einer Hütte am sogenannten Kapf. Von dort steigt es jetzt etwas steiler den Ochsenberg hinauf bis wir kurz nach einer Weggabelung von oben an diese einmalige geologische Besonderheit gelangen. Auf einem Bänkchen im Felsentor können wir die Ruhe und den Ausblick auf Oberstdorf genießen. Nach dem Durchschreiten des Tores geht es wieder steil nach unten, wo wir auf den Weg treffen, der von der Hütte am Kapf zum Berggasthof Jägersberg oberhalb Langenwangs hinüber führt. Der Gasthof lädt nicht nur wegen seiner gutbürgerliche Küche zu einer Rast ein, sondern auch wegen seines "Postkarte-Ausblickes" auf Oberstdorf. Von dort gelangen wir über Greben hinab zur Kreuzung B19 - Tiefenbach.

Judenkirche am Ochenberg
Judenkirche am Ochenberg
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Ausblick von der Judenkirche am Ochenberg
Ausblick von der Judenkirche am Ochenberg
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Judenkirche am Ochenberg
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Judenkirche am Ochenberg
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